
Seit einiger Zeit bemerke ich einige Veränderungen bei mir, die sich auch im Urlaub bemerkbar machten.
Noch vor einigen Jahren beobachtete ich alle Menschen,
die schon zeitig in der Früh so voller Energie und Taten-
drang waren, sehr skeptisch, fast schon misstrauisch.
Wie kann man in der Früh so gut gelaunt sein, fragte ich
mich oft, wenn ich mich mühsam aus dem Bett quälte.
Heute liebe ich diese Morgenstunden, wenn noch alles
schläft und schön langsam erwacht. Im Urlaub bin ich
fast täglich und völlig freiwillig in der Früh einen Weg
entlang eines Baches gewandert, und ich habe das
richtig genossen, was noch vor zwei oder drei Jahren
für mich völlig unvorstellbar gewesen wäre.
Vielleicht versetzte mich genau das in so ausgeglichene
friedliche Stimmung, so dass die Heimfahrt völlig ent-
spannt verlief.
Erst bat mich mein Mann, ihm die Wasserflasche zu geben, die auf dem Rücksitz in einem Plastiksack verstaut
war.
Ich fasste sie schwungvoll und reiche sie ihm, als ich
auf einmal sein entsetztes: "Was ist denn das?", hörte.
Nun, die Wasserflasche stand neben einem Glas echten
Kärntner Bienenhonig, dessen Deckel anscheinend nicht
fest verschlossen war, so dass sich der Honig in den
Plastiksack ergoss. Dadurch stand die Wasserflasche
im Honig, der jetzt schön langsam auf das Lenkrad, auf den
Bauch meines Mannes und schließlich auf seine Hose
tropfte.
Natürlich hätte man jetzt Grundsatzdiskussionen darüber
führen können, wer denn unbedingt den Honig kosten
musste, und wenn man ihn schon kosten musste, warum
man den Deckel nicht wieder verschließen konnte, usw.
usw.
Wollte ich aber nicht, denn der Anblick war ehrlich gesagt,
sehr seltsam, und ich musste mich sehr beherrschen,
um nicht laut zu lachen.
So versuchten wir eben den Honig zu entfernen, soweit
das eben möglich war, dann läutete mein Handy.
Erst rief meine Tochter an, um mir mitzuteilen, dass
sie sich noch ein Tattoo machen lassen wollte,
was ich gelassen zur Kenntnis nahm, was sie wieder
völlig irritierte.
Dann rief meine Arbeitskollegin an, um mir mitzuteilen,
das sich der Juniorchef nun doch scheiden läßt,
was mit Sicherheit Probleme und Veränderungen mit
sich bringen wird, seine Frau oder bald Exfrau ist
schließlich auch in der Firma beschäftigt.
Aber auch das nahm ich gelassen, obwohl mir bei dem
Gedanken, was mich wohl am Montag im Büro er-
warten würde, etwas mulmig wurde.
Als wir zuhause ankamen, bemerkten wir, dass der
Wohnungsschlüssel irgendwo in einem Gepäckstück
gut aufgehoben war, die Frage war nur in welchem.
Vor einigen Jahen hätte mich auch das in Hektik
versetzt, doch jetzt nahm ich es locker.
Ich kann nur hoffen, dass diese Veränderungen,also meine
Stimmungslage betreffend, lange anhalten.
Es wäre allerdings auch möglich, dass es sich dabei
schon um eine Art Alterserscheinung handelt,
ist aber auch egal und sowieso nicht zu ändern!